Damit Sie gut vorbereitet sind, möchten wir Ihnen die wichtigsten Inhalte einer aktuellen Schulung des Mittelstand-Digital Zentrum Tourismus und des forum anders reisen kompakt zusammenfassen:
Warum wurde die EmpCo-Richtlinie eingeführt?
Auslöser war eine Untersuchung der Europäischen Kommission. Dabei zeigte sich, dass mehr als die Hälfte aller überprüften Umweltaussagen unklar, übertrieben oder nicht ausreichend belegbar waren.
Mit der neuen Richtlinie soll erreicht werden, dass Nachhaltigkeit künftig ehrlich, nachvollziehbar und vergleichbar kommuniziert wird.
Die wichtigste Botschaft lautet deshalb:
Nachhaltigkeit darf weiterhin kommuniziert werden aber nur transparent, konkret und belegbar.
Was bedeutet das für Gastgeber?
Viele Formulierungen, die bislang selbstverständlich verwendet wurden, dürfen künftig nicht mehr ohne Weiteres eingesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise Aussagen wie:
- nachhaltig
- umweltfreundlich
- klimafreundlich
- ressourcenschonend
- ökologisch
- grüner Urlaub
- klimaneutral
- CO₂-neutral
Diese Begriffe gelten als allgemeine Umweltaussagen und müssen künftig unmittelbar erklärt und nachgewiesen werden.
Ein einfacher Hinweis oder ein QR-Code reichen künftig in der Regel nicht mehr aus.
Was ist künftig erlaubt?
Entscheidend ist, konkrete Maßnahmen zu beschreiben.
Statt allgemein von Nachhaltigkeit zu sprechen, sollten Gastgeber nachvollziehbar erklären, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.
Beispiele:
- Wir beziehen unseren Strom vollständig aus zertifiziertem Ökostrom.
- Unsere Warmwasserbereitung erfolgt über eine Photovoltaikanlage.
- Handtücher werden nur auf Wunsch gewechselt, um Wasser und Energie einzusparen.
- Wir verwenden überwiegend regionale Lebensmittel aus dem Berchtesgadener Land.
- Unsere Gäste profitieren von der kostenfreien Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit der Gästekarte.
Je konkreter die Aussage, desto besser lässt sie sich belegen und desto rechtssicherer ist sie.
Besondere Vorsicht bei „klimaneutral“
Besonders streng werden künftig Aussagen wie
- klimaneutral
- CO₂-neutral
- klimafreundlich
bewertet.
Beruht diese Aussage ausschließlich auf CO₂-Kompensation, darf sie für einzelne touristische Leistungen künftig grundsätzlich nicht mehr verwendet werden.
Auch langfristige Aussagen wie
- „Wir werden bis 2040 klimaneutral.“
- „Net Zero bis 2045.“
sind nur zulässig, wenn ein detaillierter und überprüfbarer Umsetzungsplan mit konkreten Zwischenzielen, Zeitplan und regelmäßiger Kontrolle vorliegt.
Nachhaltigkeitssiegel werden neu bewertet
Auch Nachhaltigkeitssiegel und Zertifizierungen unterliegen künftig strengeren Anforderungen.
Eigene Logos oder selbst entwickelte Nachhaltigkeitszeichen reichen künftig nicht mehr aus.
Verwendet werden sollten ausschließlich Zertifizierungen
- mit transparenten Kriterien,
- unabhängiger Prüfung,
- regelmäßiger Kontrolle und
- nachvollziehbaren Vergabeverfahren.
Viele touristische Zertifizierungsstellen arbeiten derzeit intensiv daran, ihre Programme an die neuen gesetzlichen Anforderungen anzupassen.
Wer bereits zertifiziert ist, sollte sich frühzeitig bei seiner Zertifizierungsstelle informieren, ob das verwendete Siegel die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie erfüllt.
Was sollten Gastgeber jetzt überprüfen?
Wir empfehlen ausdrücklich, nicht bis September zu warten, sondern die eigene Kommunikation bereits jetzt zu überprüfen.
Kontrollieren Sie insbesondere:
- Ihre Website
- Einträge auf Buchungsplattformen
- Flyer und Prospekte
- Pressemitteilungen
- Newsletter
- Social-Media-Kanäle
- Angebots- und Buchungstexte
Auch ältere Inhalte können betroffen sein und sollten gegebenenfalls angepasst werden.
Was droht bei Verstößen?
Wer nach dem 27. September nicht belegbare oder irreführende Nachhaltigkeitsaussagen verwendet, muss unter anderem mit folgenden Konsequenzen rechnen:
- Abmahnungen
- Unterlassungsansprüche
- Gerichtsverfahren
- Schadensersatzforderungen
- Anwalts- und Verfahrenskosten
- Vertrauens- und Imageschäden
Gerade im Tourismus ist Glaubwürdigkeit ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Handlungsempfehlungen aus dem Webinar
Die Experten gaben den Betrieben folgende Empfehlungen mit auf den Weg:
- Nachhaltigkeit weiterhin aktiv kommunizieren.
- Allgemeine Werbeaussagen durch konkrete Beispiele ersetzen.
- Nachhaltigkeitsmaßnahmen dokumentieren und belegen können.
- Bestehende Werbemittel frühzeitig überprüfen.
- Mitarbeiter im Marketing und in der Gästekommunikation sensibilisieren.
- Bei Unsicherheiten rechtzeitig fachlichen Rat einholen.
Kostenfreie Unterstützung nutzen
Das Mittelstand-Digital Zentrum Tourismus unterstützt touristische Betriebe mit zahlreichen kostenfreien Angeboten.
Dazu gehören unter anderem:
- eine EmpCo-Checkliste mit den wichtigsten Sofortmaßnahmen,
- Leitfäden und Informationsmaterialien,
- Online-Lernangebote,
- Expertensprechstunden sowie
- weitere Webinare rund um die rechtssichere Nachhaltigkeitskommunikation.
Die Checkliste bietet einen guten Einstieg und hilft dabei, Webseiten, Flyer, Social-Media-Beiträge und weitere Kommunikationsmaßnahmen systematisch zu überprüfen.
Veranstaltungstipp
Web-Seminar des Tourismus Oberbayern München e. V. (TOM)
- Montag, 20. Juli 2026
14:00 bis 15:15 Uhr - „EmpCo & UWG-Novelle – Neue Regeln für Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel im Tourismus“
Das kostenfreie Online-Seminar richtet sich an touristische Betriebe und Destinationen und vermittelt die neuen gesetzlichen Anforderungen praxisnah anhand vieler Beispiele.
Im Anschluss besteht die Möglichkeit, individuelle Fragen direkt an die Referenten zu stellen.
Wir empfehlen Gastgeberinnen und Gastgebern die Teilnahme ausdrücklich.
Checkliste: Bin ich vorbereitet?
Nutzen Sie die kommenden Wochen für einen kurzen Selbstcheck:
☐ Website überprüft
☐ Buchungsportale überprüft
☐ Social-Media-Beiträge kontrolliert
☐ Flyer und Prospekte geprüft
☐ Allgemeine Umweltbegriffe ersetzt oder konkret erläutert
☐ Nachhaltigkeitsmaßnahmen dokumentiert
☐ Verwendete Zertifikate auf Aktualität geprüft
☐ Mitarbeiter informiert
Unser Fazit
Die neue EmpCo-Richtlinie bringt zunächst zusätzlichen Aufwand mit sich. Gleichzeitig bietet sie die Chance, echte Nachhaltigkeit glaubwürdig zu kommunizieren und sich positiv vom Wettbewerb abzuheben.
Wer heute seine Kommunikation überprüft und auf transparente, konkrete und belegbare Aussagen setzt, schafft Vertrauen bei seinen Gästen und reduziert gleichzeitig rechtliche Risiken.
Unser Rat lautet deshalb:
Tun Sie Gutes und sprechen Sie transparent, ehrlich und nachvollziehbar darüber.
Bei Fragen unterstützen wir Sie gerne im Rahmen unserer Möglichkeiten oder vermitteln Ihnen die passenden Informationsangebote: gastgeberberatung@berchtesgaden.de